...Ich kam als Neunzehnjähriger aus entsetzlicher amerikanischer Kriegsgefangenschaft in meine Heimatstadt Koblenz, die wie der Tisch platt war. Es waren, glaube ich, noch 5000 Menschen in der Stadt. Wenn man sich auf der Straße begegnete, umarmte man sich, weil man noch gelebt hat. Meine Mutter war umgekommen im Bombenkrieg in Koblenz in unserem Haus. Nichts mehr war da, überhaupt nichts mehr.
An Berufszukunft war überhaupt nicht zu denken, es gab gar keine Berufe. Jeder lebte vom Schwarzhandel, ich weiß nicht. Jedenfalls eine produktive Arbeit war nicht da, kein Material und nichts mehr. Da habe ich mich gefragt: was ist denn überhaupt das Leben? Was ist der Sinn? Was ist die Welt? Mein sehr lebenserfahrener Vater, der mich immer gerne in der Wirtschaft gesehen hätte ‐ wir haben eine Generationen alte Firma in Koblenz, die mit Tonwerken zu tun hat ‐, wollte, daß ich Jura studiere. Ich sagte: ich kann das nicht. Mich bringt das um, ich kann nicht in dieser Zeit Recht studieren, wo ich all das Unrecht erlebt habe und täglich neu erlebe. Da habe ich begonnen zu studieren, Philosophie, Kunstgeschichte, Vor- und Frühgeschichte, Archäologie und habe dann als erster promoviert an der neuen Universität Mainz.
Aber, was Sie sagen, die Suche nach dem Wesentlichen, das war das Schöne bei meinen ganzen Mitstudenten, wir konnten nicht an Berufserfolg denken, an all das, was später so wichtig wurde.
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