7 czerwiec 2005
Die Welt
Kultur
Nina Wachenfeld
Herr der Rose in L.A.
Maximilian Schell und Gottfried Helnwein inszenieren den "Rosenkavalier"
Helnwein, ein Ziehkind von Los Angeles mit Atelier im Gewerbeviertel von Downtown, spielt den Zeiten einen(Genie-)streich. So schmust im ersten Akt die brokatgewandete Marschallin mit einem punkblau gefärbten Octavian. Die Hofgesellschaft tobt kreischend durchs Palais Faninal, Bugs Bunny und Men in Black mittendrin, Lemuren und Außerirdische unter sich. Der immer bravouröse Ochs des Kurt Rydl macht sich im rot ausstaffierten Salon über das Mariandl her; Helnweinsche Frauenporträts strahlen von den Wänden, ein Fest nur scheinbar unschuldiger Erotik. Seine Modernisierung ist nostalgisch, ein Farbenfest, zuweilen merkwürdig anklingend; ohne aber je dem traditionellen Rahmen zu entfallen.
Der Rosenkavalier by Richard Strauss
2005
Am Premierenabend in der Los Angeles Opera hatten sich die Strapazen der vergangenen Wochen tief ins prägnante Schauspielergesicht von Maximilian Schell eingegraben, denn die Nachricht vom Tod seiner Schwester hatte ihn in der ersten Probenphase erreicht. Extreme Umstände setzen extreme Kräfte frei, und so profitiert diese Inszenierung vor allem von der gebündelten Altersweisheit ihres Zugpferdes. Sein Wunschausstatter Gottfried Helnwein erregte zudem die prüden Gemüter mit seinem Plakat zweier sich im Kußanlauf befindlicher Nymphen.
Helnwein, ein Ziehkind von Los Angeles mit Atelier im Gewerbeviertel von Downtown, spielt den Zeiten einen(Genie-)streich. So schmust im ersten Akt die brokatgewandete Marschallin mit einem punkblau gefärbten Octavian. Die Hofgesellschaft tobt kreischend durchs Palais Faninal, Bugs Bunny und Men in Black mittendrin, Lemuren und Außerirdische unter sich. Der immer bravouröse Ochs des Kurt Rydl macht sich im rot ausstaffierten Salon über das Mariandl her; Helnweinsche Frauenporträts strahlen von den Wänden, ein Fest nur scheinbar unschuldiger Erotik.
Seine Modernisierung ist nostalgisch, ein Farbenfest, zuweilen merkwürdig anklingend; ohne aber je dem traditionellen Rahmen zu entfallen. Schells Detailfinesse und intensive Schauspielarbeit sind zu loben - doch ist es die Schwerelosigkeit, mit der sich alles zusammenfindet, was den Erfolg dieser Produktion ausmacht. Seine Wahl, Teile der Oper mit Filmclips zu illustrieren (etwa die Bettszene zur Eröffnung mit einem Ausschnitt aus dem "Rosenkavalier"-Stummfilm von 1926) ersetzt die oftmals peinlich Vollzugssimulation. Strauss, so merkt man, gehört zur Welt des schweizerischen Wahlösterreichers Schell.
Das dort auch noch hochbegabte Sängerdarsteller verfügbar sind, ist ein Fest für sich. Adrianne Pieczonka als Marschallin, Alice Cootes Octavian und Elizabeth Futrals Sophie sind ein Dreamteam, umrahmt von einer Heerschar respektabler Rollenporträts. Der gefährlich überbeschäftigte Kent Nagano, der auch die Vorabend-Premiere von Verdis "Falstaff" mit Bryn Terfel dirigierte, ist der letzte Schlüssel zum Erfolg dieses "Rosenkavaliers". Wenn er den Chefdirigentenposten demnächst zugunsten von München aufgibt, hinterläßt er in Los Angeles einen erstklassigen Klangkörper, dem das größte Kompliment des Abends galt: "Sie klingen wie die Wiener Philharmoniker."


Der Rosenkavalier by Richard Strauss
2005, with Maximilian Schell, Los Angeles Opera
Der Rosenkavalier by Richard Strauss
2005
Der Rosenkavalier by Richard Strauss
2005




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