13 lipiec 2004
Der neue Merker
Oper, Ballett und Konzert
Peter Bilsing
Schumanns-DAS-PARADIES-UND-DIE-PERI-Atemberaubende-szenische-Realisierung-in-der-Duesseldorfer-Tonhalle
Schumanns DAS PARADIES UND DIE PERI- Atemberaubende szenische Realisierung in der Düsseldorfer Tonhalle
Gregor Seyffert hat zusammen mit Gottfried Helnwein ein im wesentlichen tänzerisches, hochintelligentes Konzept entworfen
Für das 8.Internationale Schumann-Fest in Düsseldorf brachte man nun ein kongeniales Team zusammen, um eine komplette szenische Umsetzung in der altehrwürdigen Tonhalle zu realisieren. Gregor Seyffert – mit Preisen geradezu überschüttete Tanzikone – hat zusammen mit Gottfried Helnwein – international geachteter Künstler und Bühnenbildner – ein im wesentlichen tänzerisches, hochintelligentes Konzept entworfen, welches alle Mittel moderner, multimedialer Bühnengestaltung beinhaltet; dem Besucher gehen förmlich die Augen über. Vor lauter medialer Aktivität könnte man fast die traumhaft schöne Musik und den Gesang vergessen. Frenetischer, nicht enden-wollender Beifall, eines begeisterten Düsseldorfer Publikums, für einen Abend, den keiner so schnell vergessen wird. Lebendigstes Musiktheater, welches der sich zur Zeit im Tiefschlaf befindenden Deutschen Oper am Rhein nicht nur konkurrenzlos den Ruhm abgräbt, sondern zeigt, daß Düsseldorf durchaus Weltklasse bieten kann. Warum nicht öfter ?
Das Paradies und die Peri
2004

Wenn Robert Schumann von seiner „größten und besten Arbeit“ sprach, dann meinte er sein Oeuvre „Das Paradies und die Peri“ (UA am 4.Dezember 1843 im Leipziger Gewandhaus) – Dichtung für Solostimmen, Chor und Orchester. Für den Komponisten war es eine Art Opern–Oratorium. Schumann schwebte „ein neues Genre für den Konzertsaal“ vor - formal schwer zu definieren. Entstanden ist ein Riesenwerk, angesiedelt zwischen den klassischen Gattungen, doch ohne klare Trennung von Rezitativ und Arie, bei dem aber das Lied eine nicht unwesentliche Rolle spielt.
Den „roten Faden“, der die 26 Nummern aus „Paradies und Peri“ verbindet, zieht meistens der Chor, der in ungewöhnlich vielfältigen Funktionen agiert; ob als Kommentator in den Situations- und Stimmungsschilderungen, im anteilnehmendem Lamento oder gar hymnischen Anfeuerungen bis hin zum sakralen Schluß „wie selig, oh Wonne !“. Schumann überrascht mit einer neue Farbigkeit, er setzt Ventiltrompeten, Ophykleide (Vorgänger der Basstuba) und Harfen ein, und überzeugt mit der Vergrößerung des Schlagwerks um Becken, Trommeln und Triangeln. Da ertönen bisher ungehörte Klangdimensionen von fast Parsifalscher Kontemplativität.
Text und Inhalt entstammen der orientalischen Dichtung „Lallah Rookh“ von Thomas Moore, wobei insbesondere der zweite Teil von der Peri handelt, einer elfenartigen Fee. Kurzfassung: Einer Peri wird erneut Zugang zum Paradies verheißen, wenn sie das herbeibringe, was dem Himmel am teuersten sei. Sie versucht es mit dem letzten Blutstropfen eines sterbenden Helden und dem letzten Liebeseufzer eines freiwillig mit ihrem von der Pest befallenen Geliebten sterbenden Mädchens. Erst die heißen Reuetränen, die ein hartgesottener Sünder beim Anblick eines spielenden und betenden Knaben vergießt, öffnen ihr das Himmelstor.
Daß solch geradezu weltliches Oratorium, welches ja durchaus den Impetus einer romantischen Oper in sich trägt, von den Kulturplan-Verantwortlichen über ein Jahrhundert praktisch geschmäht oder Übersehen wurde, hat seine Ursachen sicherlich nicht nur in den ungeheuren Dimensionen dieses Opus´, sondern auch in der Schwierigkeit einer Sinnvermittlung solchen Märchens in unsere Tage; hinzu kommt die verquaste Popularität und Umdeutung, die das Stück im „Dritten Reich“ erfuhr. Für das 8.Internationale Schumann-Fest in Düsseldorf brachte man nun ein kongeniales Team zusammen, um eine komplette szenische Umsetzung in der altehrwürdigen Tonhalle zu realisieren.
Gregor Seyffert – mit Preisen geradezu überschüttete Tanzikone – hat zusammen mit Gottfried Helnwein – international geachteter Künstler und Bühnenbildner – ein im wesentlichen tänzerisches, hochintelligentes Konzept entworfen, welches alle Mittel moderner, multimedialer Bühnengestaltung beinhaltet; dem Besucher gehen förmlich die Augen über. Vor lauter medialer Aktivität könnte man fast die traumhaft schöne Musik und den Gesang vergessen.
Da werden alle Register gezogen; neben Film (eine Riesenleinwand hinter dem Chor), gibt es atemberaubender Hochseil-Akrobatik und Artistik (mit Unterstützung der staatlichen Zirkusschule Kiew) und eine verblüffendem Lichtdesign (R. Wenzel) mit Feuer-, Wasser- und Nebeleffekten; dies alles ist eingebettet in eine fast magische Luft-Boden-Choreographie (I. German, G. Montero, G. Seyffert) –ein geradezu fabulöses Musiktheater-Erlebnis.
Und dann immer wieder ein tänzerischer Mega-Star, eben jener Gregor Seyffert, der als Peri alle Dimensionen modernen Tanztheaters sprengt; er fliegt, segelt, torkelt, stürzt und tanzt; Beweglichkeit in geradezu selbstverzehrender Authenzität. Er trägt die Emotionen dieser Lichtgestalt in die lichten Kuppeln der Tonhalle und gleitet fast schwerelos wie eine Feder zu den berauschenden Schumannschen Klängen.
Man kann bei den über 500 Beteiligten nicht alle Namen nennen, die zu diesem einmaligen Gesamtkunstwerk beigetragen haben, doch neben den großartigen Gesangssolisten (Jörg Waschinski/Peri, Markus Schäfer/Erzähler, Alison Browner/Engel, Anke Krabbe/Jungfrau, Andreas Post/Jüngling, Raimund Nolte/Mann, Karl Petersen/Gazna, Theresa Kronthaler und Anja-Nina Bahrmann), den präzise spielenden Düsseldorfer Symphonikern und den bravourösen Leistungen des Städtischen Musikvereins muß hier GMD John Fiore besonders hervorgehoben werden, als der Mann, der diese ungeheuerlich komplexe musikalisch-szenische Gesamtkonzeption mit großer Übersicht und gigantischem Einsatz zusammenhielt und zu einem der künstlerisch erfolgreichsten Abende in der Geschichte der Tonhalle als auch der Rezeptionsgeschichte dieses Werkes entwickelt hat.
Frenetischer, nicht enden-wollender Beifall, eines begeisterten Düsseldorfer Publikums, für einen Abend, den keiner so schnell vergessen wird. Lebendigstes Musiktheater, welches der sich zur Zeit im Tiefschlaf befindenden Deutschen Oper am Rhein nicht nur konkurrenzlos den Ruhm abgräbt, sondern zeigt, daß Düsseldorf durchaus Weltklasse bieten kann. Warum nicht öfter ?
Scene from the video
2004
Das Paradies und die Peri
2004




Powrót do góry