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20 październik 2016
Tiroler Tageszeitung
APA
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Stella Rollig: Expertin für Zeitgenössisches kehrt heim nach Wien
Linz/Wien (APA) - Mit Stella Rollig übernimmt eine ausgewiesene Expertin für zeitgenössische Kunst die Leitung des Belvedere. 2006 landete sie mit einer Werkschau von Gottfried Helnwein einen großen Erfolg, 2008 mit einer Kokoschka-Ausstellung, und im Kulturhauptstadtjahr 2009 folgte mit „Best of Austria.
Face it, Gottfried Helnwein solo show, Lentos Museum of Modern Art, Linz
2006, Gottfried Helnwein, solo show, Lentos Art Museum, Linz

Linz/Wien (APA) - Mit Stella Rollig übernimmt eine ausgewiesene Expertin für zeitgenössische Kunst die Leitung des Belvedere. Seit 2004 steht sie dem Linzer Kunstmuseum Lentos vor. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Agnes Husslein-Arco ist sie wenig „Seitenblicke“-affin. Kritik musste sie zwar immer wieder wegen magerer Besucherzahlen einstecken, sie gilt aber als sehr korrekt und akribisch.

Die am 5. Juli 1960 in Wien geborene Rollig begann ihre Laufbahn als Kulturjournalistin, arbeitete beim ORF-Hörfunk und in der Kulturredaktion des „Standard“. 1994 gründete sie das „Depot - Kunst und Diskussion“ im Wiener Museumsquartier, von 1994 bis 1996 war die studierte Germanistin und Kunsthistorikerin österreichische Bundeskuratorin für bildende Kunst. Für die steiermärkische Landesausstellung „Verkehr“ 1999 kuratierte sie die zeitgenössische Kunst, es folgten Arbeiten für das O.K. Centrum für Gegenwartskunst (heute OÖ. Kulturquartier, Anm.) in Linz sowie für den Steirischen Herbst.

2004 beerbte sie Peter Baum als Chefin des Linzer Kunstmuseums Lentos. Die Neue Galerie der Stadt Linz war erst ein Jahr zuvor in das neue Haus an der Donaulände übersiedelt. Von Beginn an hatte Rollig mit einem Problem zu kämpfen: laues Interesse an der zeitgenössischen Kunst. Vor allem in der Anfangsphase wurde ihr oft vorgeworfen, dass das Lentos zu wenig sichtbar sei, die Besucherzahlen seien zu niedrig. Sie selbst beklagte, dass der ästhetische Glasbau mit seiner auffälligen Lichtfassade nur wenig Möglichkeiten biete, um zu zeigen, was sich im Inneren abspielt.
Bereits ein Jahr nach Rolligs Amtsantritt machten Gerüchte um ihre Ablöse die Runde. Ausgerechnet Agnes Husslein - damals Chefin des Salzburger Museums der Moderne - war als Nachfolgerin im Gespräch. Dennoch hielt sich Rollig wacker und blieb konsequent bei ihrer Linie. Es gelang ihr auch immer wieder, über Linz hinaus beachtete Ausstellungen auf die Beine zu stellen.
2006 landete sie mit einer Werkschau von Gottfried Helnwein einen großen Erfolg, 2008 mit einer Kokoschka-Ausstellung, und im Kulturhauptstadtjahr 2009 folgte mit „Best of Austria. Eine Kunstsammlung“ ein weiterer Publikumsmagnet. „Der nackte Mann“ 2012 fand ebenfalls Zuspruch, zum zehnten Geburtstag schmückte sich das Lentos 2013 mit Olafur Eliasson.

Über ihr Privatleben hielt sich die künftige Belvedere-Chefin stets bedeckt. In den Klatschspalten sucht man sie vergeblich. Ihr Auftreten ist leise und zurückhaltend, oft etwas spröde - Marktschreierei ist ihre Sache nicht. Ähnlich lässt sich auch das Programm im Lentos charakterisieren: Es ist für interessiertes Publikum gemacht. Völlig Unbedarften in Sachen zeitgenössischer Kunst ihre Schwellenangst zu nehmen, gelang nicht immer.

Kummer war die Lentos-Chefin in ihren Linzer Jahren aber nicht nur wegen kritischer Zurufe aus der Politik gewohnt: Da das Lentos auf die Sammlung des bereits in der NS-Zeit aktiven Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt zurückgeht, hatte Rollig immer wieder „Altlasten“ aufzuarbeiten: Zum einen waren dies Restitutionsfälle, zum anderen der verlorene Prozess um vier verschwundene Bilder von Klimt und Schiele, für die die Stadt Millionen zahlen muss.

"Face it", Gottfried Helnwein Solo Show at the Lentos Museum of Modern Art Linz
2006




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