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8 październik 2013
Salzburger Nachrichten
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Apokalyptiker-und-Donaldist
Apokalyptiker und Donaldist
Er ist als Maler von schockierenden Kinderbildern berühmt geworden, hat Donald Duck zu seinem wichtigsten kunsthistorischen Einfluss erklärt und verkündet gerne den Untergang der Zivilisation. Gottfried Helnwein, der seiner Heimat Wien schon lange den Rücken gekehrt hat, ist einer der erfolgreichsten lebenden Künstler österreichischer Herkunft. Am Dienstag, eine Woche bevor seine Retrospektive in der Albertina schließt, feiert er 65. Geburtstag.
Gottfried Helnwein wurde am 8. Oktober 1948 in Wien geboren. Sein Handwerk hat er an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt und an der Akademie der Bildenden Künste in Wien gelernt, war Meisterschüler bei dem "phantastischen Realisten" Rudolf Hausner und wurde bereits früh mit Auszeichnungen wie dem Meisterschulpreis (1970), dem Kardinal-König-Preis (1971) und dem Theodor-Körner-Preis (1974) geehrt. Das Nachkriegs-Wien aber war ihm allerdings ebenso zuwider, wie es in seine Arbeit kroch, in der er sich sowohl mit der Hochglanzwelt der Werbung, als auch der dunklen, verdrängten Gegenwelt des häuslichen oder psychiatrischen Alltags auseinandersetzte.
Seine Bilder von verängstigten und gepeinigten Kinder oder schreienden, bandagierten Menschen fanden auch durch Magazinillustrationen und Plattencover große Verbreitung, sorgten immer wieder auch für heftige Diskussionen und für sein Image als "Schock-Maler". "Die Leute haben es als Schock empfunden, weil ich sichtbar gemacht habe, was ihnen unsichtbar lieber gewesen wäre", erklärte er im Mai gegenüber der APA. "Aber ich wusste, dass ich mich damit beschäftigen muss, es war eine Obsession." Angesichts der jetzt ans Tageslicht kommenden Anzahl an Missbrauchsfällen in dieser Zeit, seien bei ihm "offenbar die Verdrängungsmechanismen nicht ganz so entwickelt" gewesen.
"Diese heile Welt, die man in der neuen jungen Republik der Hämmer und Dome zu verbreiten versuchte, das was so ekelerregend, so unattraktiv", so Helnwein. "Für mich und meine Generation war die amerikanische Kultur die Zuflucht. Der Comicstrip, die direkte Übertragung, die Begeisterung." Die Utopie von Entenhausen wurde zu einem der beherrschenden Themen seiner Arbeiten, später auch die japanischen Mangas - wiewohl er auch diese "heile Welt" immer wieder durch motivische Beziehungen zu Krieg oder dem von ihm in zahlreichen Werkgruppen aufgearbeiteten Nationalsozialismus konterkariert.
Österreich hat Helnwein in den 1980er Jahren verlassen und danach in Deutschland, Irland und den USA gelebt und gearbeitet. In den vergangenen Jahrzehnten hatte Helnwein große Ausstellungen und Retrospektiven in aller Welt, darunter St. Petersburg, Los Angeles, San Francisco, Peking und Wien - wo ihm in der Albertina noch bis zum 13. Oktober eine große Retrospektive gewidmet ist. Zu diesem Abschlusstag findet sich der Künstler dort auch noch einmal ein - gemeinsam mit der Schauspielerin Iris Berben wird sein Buch "Malen heißt sich wehren" präsentiert, ein Gesprächsband mit Oliver Spiecker. Seit der Vorwoche ist in der Wiener Galerie Preiss Fine Arts außerdem eine Auswahl an Helnweins Fotografien zu sehen.
Anlässlich des Geburtstags und der Albertina-Schau stand auch Helnweins Familie im Fokus - eine ORF-Doku beleuchtete das Leben dreier seiner vier Kinder, die alle ebenfalls in künstlerischen Berufen erfolgreich sind, sowie den harmonischen Alltag, den Helnwein und seine Frau Renate an den Wohnorten in Los Angeles und Irland für die Mehrgenerationen-Großfamilie schaffen. Mit Wien verbindet Helnwein heute wieder eine positive Beziehung. "Ich habe immer zwischen verschiedenen Welten gelebt, das ist meine Vorstellung von Heimat. Amerika, Irland, Österreich. Meine kulturellen Wurzeln sind natürlich mit Österreich verbunden. Ich komme auch sehr gerne hierher."




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