Nowości
12 październik 2008
NEWS Magazin
Wien
Renate Kromp
Interview
ES MÜSSEN NOCH MEHR BLASEN PLATZEN
Der Weltkünstler über den Rechtsruck und die Ursachen der Politikverdrossenheit in Österreich Gottfried Helnwein.
Der begnadete Künstler rechnet im NEWS-Interview mit der Politik, dem Kapitalismus und den Regeln des Kunstmarkts ab.
Helnwein in the studio
2008
Auszug aus dem Interview:
NEWS: Genieren Sie sich für Österreich?
Helnwein: Überhaupt nicht. Je länger ich weg bin, desto mehr wächst mein Respekt vor Österreich.
In Amerika erlebe ich gerade wie jahrzentelanger Raub-Kapitalismus die mächtigste Nation der Welt zusammenbrechen lässt. Wie die Gier und Skrupellosigkeit der Grosskonzerne und Geldbarone dieses Land geplündert und ausgeblutet haben, wie Sozialleistungen und das Schul- und Bildungssystem der Kriegsindustrie geopfert wurden. Ich fürchte nur, dass dieser Zusammenbruch den Rest der westlichen Welt mitnehmen wird.
Mir ist erst im Ausland aufgefallen, was Österreich zustande gebracht hat. Kein Land der Welt investiert soviel in seine Kultur, wie Österreich. Der allgemeine Wohlstand ist außergewöhnlich und das Sozialsystem funktioniert besser als in den meisten anderen Ländern.
Ich glaube das liegt auch daran, dass man in einem kleinen Land manchmal vernünftigere und menschlichere Entscheidungen treffen kann als in imperialistischen Grossreichen. Mir gefällt es, dass Österreich immer wiederl eigensinnig und sperrig seine eigenen Wege gegangen ist und und sich z.B. erlaubt, keine Atomkraft zu haben. Das ist aber nur möglich, wenn wir ein souveräner Staat bleiben. Zum Teil haben wir diese Souverenität ja schon verloren, denn obwohl z.B. niemand in diesem Land Genmanipuliertes Saatgut will, können wir das nicht mehr selbst entscheiden.
Und das ist wahrscheinlich auch die Angst bei vielen Leuten, dass wir irgendwann von den Vereinigten Staaten Europas verschluckt werden, und korrupte Politiker und Bürokraten in Brüssel, denen das kleine Österreich am Arsch vorbei geht, über uns entscheiden werden. Und dass wir vielleicht unsere Neutralität verlieren, und unsere Kinder in einer Euro-Armee in Irak oder Afghanistan killen und sterben müssen.
Diese Ängste haben die Rechten geschickt für sich instrumentalisiert.
NEWS: Zur Kunst: In Österreich läuft eben eine Edward Hopper-Schau, auf dessen Werk Sie eine Paraphrase gemalt haben. Beeinflusst der “gute, alte” amerikanische Realismus die Kunst heute noch?
Helnwein: Hopper ist der erste eigenständige amerikanische bildende Künstler. Er wird als Fixpunkt bleiben, weil er als erster die Realität dieser Neuen Welt ästhetisch formuliert hat.
Aber, wer die Kunst heute beeinflusst, ist schwer zu sagen. Das einzige was die Kunstszene derzeit dominiert ist das Kapital. Spekulanten und Stockbroker haben die Kunst in den letzte 2 Jahrzehnten ziemich ruiniert.
Damien Hirst hat eben den Schrott, den seine 100 Assistenten im letzten Jahr produziert haben, in einem gigantischen Publicity-Spektakel um 140 Millionen Eu versteigert.




Powrót do góry