Nowości
1 wrzesień 1973
Arbeiter Zeitung
Wien
Harald Sterk
Ein Panoptikum der Beschädigten
Galerie Stubenbastei zeigt Graphik von Gottfried Helnwein
In einer Serie von Zeichnungen, aus denen er auch das Wiener Lokalkolorit weitgehend verbannt hat, schildert er ein Panoptikum von Maskierten, deren verbundene und verpflasterte Nasen sie zu schwarzen Groteskclowns stilisieren; ein Hauch von verbiesterter Commedia dell'arte weht durch diesen Zyklus. Die Pointe liefert mir hier die Wirklichkeit: Ich verlasse die Galerie und pralle eine Gasse weiter vor einer Erscheinung zurück. Ein Priester in Soutane kommt mir entgegen, dessen Nase dick verbandagiert und mit Hansaplast verklebt ist. In solchen Augenblicken verzweifelt man an seiner überhitzten Phantasie und ruft sich zur Ordnung - aber bei nochmaliger Überprüfung stellt sich die Helnweinsche Bilderwelt, die einen durch den Kopf spukt, als Wirklichkeit heraus...
In Gottfried Helnweins Ölbildern, den peinlich sorgfältig gemalten Produkten eines in seiner technischen Brillianz typischen Hausner-Schülers, zerreisst immer wieder ein Element der Verstörung die dekorative Wirkung der Schönmalerei.
In das Idyll einer friedlichen, im Sonnenschein verträumt daliegenden Wiener Vorstadtstrasse platzt buchstäblich ein Mädchenkörper, der aus einem hochgelegenen Stockwerk auf das Pflaster fällt; ein scheinbar fröhlich grinsendes kleines Mädchen vor der Tür eines Wiener Greisslergeschäftes: Erst auf den zweiten Blick entdeckt man die Blindenschleife am linken Arm und die dünnen Blutstreifen, die an den Beinen herunterrinnen: Spuren einer Vergewaltigung oder der ersten Menstruation?
Helnwein schockt, oder versucht es wenigstens, wie es zu den Plichtübungen einer Kunst gehört, die menschliche Beschädigungen und Verletzungen im brutalisierten Jargon der Zeit ausmalen will.
Medizinisches Gerät wird zum Folterinstrument, die Bedrohumg die die metallisch kalt blitzende Spitalsgerätschaft ausstrahlt, wird zum Horroreffekt umgemünzt. Aber Helnweins Ölbilder gehen dabei doch fast immer über das Klischee hinaus, er spult in ihnen nicht nur das Repetoire des Routinegrauens ab. Der Effekt der Verblüffung schliesst doch auch Zustandsschilderung ein, das terroristische Moment der bösen Bilder ist nicht nur Selbstzweck.
In einer Serie von Zeichnungen, aus denen er auch das Wiener Lokalkolorit weitgehend verbannt hat, schildert er ein Panoptikum von Maskierten, deren verbundene und verpflasterte Nasen sie zu schwarzen Groteskclowns stilisieren; ein Hauch von verbiesterter Commedia dell'arte weht durch diesen Zyklus.
Die Pointe liefert mir hier die Wirklichkeit: Ich verlasse die Galerie und pralle eine Gasse weiter vor einer Erscheinung zurück. Ein Priester in Soutane kommt mir entgegen, dessen Nase dick verbandagiert und mit Hansaplast verklebt ist. In solchen Augenblicken verzweifelt man an seiner überhitzten Phantasie und ruft sich zur Ordnung -
aber bei nochmaliger Überprüfung stellt sich die Helnweinsche Bilderwelt, die einen durch den Kopf spukt, als Wirklichkeit heraus.
Guten Morgen, Liebe Enten! (Good Morning, Dear Ducks!)
pencil on paper, 1972, 50 x 31 cm / 19 x 12''




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